Credit Suisse Sports Awards 2018: Die Sieger im Überblick

Alle Preistragenden an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

An den Credit Suisse Sports Awards 2018 wurden die besten Sportler des Jahres geehrt. Dabei standen nicht nur die Einzelsportler im Vordergrund, auch Trainer und die beste Mannschaft wurden geehrt. 

Team des Jahres: Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft

Die Schweizer Eishockey Nationalmannschaft wird Team des Jahres an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Nach einer musikalischen Einlage von James Blunt begann der festliche Abend mit einer herzlichen Begrüssung der beiden Gastgeber. Rainer Maria Salzgeber und Sandra Studer freuten sich auf einen „spannenden Abend“ nach einem durchaus erfolgreichen Sportjahr 2018, in der die Schweiz mehr als nur einen Erfolg verbuchen konnte.

Direkt im Anschluss wurde der erste von sechs Awards verliehen. Als Team des Jahres wurde die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ausgezeichnet. Das Team von Patrick Fischer konnte im vergangenen Frühling WM-Silber gewinnen und überzeugte das gesamte Jahr über mit starken Leistungen. Nie zuvor stand eine Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft näher am WM-Titel als diesen Frühling. Als Lohn erhielten die Silberhelden von Kopenhagen die Auszeichnung als Team des Jahres überreicht.

«Die Mentalität ist geprägt von der Überzeugung und dem Glauben daran, Grosses erreichen zu können», kommentierte der Tages-Anzeiger nach dem Gewinn der zweiten WM-Silbermedaille innerhalb von fünf Jahren treffend. Den ganz grossen Coup im Final verpassten die Schweizer anders als 2013 nur ganz knapp. Erst im Penaltyschiessen mussten sie sich den Schweden geschlagen geben. Fünf Jahre zuvor waren sie beim 1:5 gegen denselben Gegner noch chancenlos geblieben.

In Stockholm hatten sich die Schweizer mit dem Finaleinzug selbst überrascht. In Kopenhagen traten sie voller Überzeugung an, im Wissen, Weltmeister werden zu können. Entsprechend sass der Frust nach der neuerlichen Finalniederlage tiefer. Dennoch durfte die Mannschaft von Trainer Patrick Fischer stolz sein.

Wenn eine vermeintlich kleinere Eishockey-Nation innerhalb von fünf Jahren zweimal in den WM-Final vorstösst, dann ist dies kein Zufall. Mittlerweile besitzt die Schweiz eine hohe Zahl an Spielern mit NHL-Erfahrung. Acht Spieler des Silberteams kamen letzten Winter in der besten Liga der Welt zum Einsatz. So viele Akteure mit NHL-Erfahrung waren nie zuvor zu einer WM eingerückt.

Die Hockeynati gewann damit den Preis als Team des Jahres vor den BSC Youngs Boys und dem Schweizer Ski-Alpin-Team.

Newcomer des Jahres: Julien Wanders

Leichtathlet Julien Wanders wird von Guy Parmelin, Bundesrat, zum Newcomer des Jahres 2018 geehrt an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Der Newcomer des Jahres ist erst 19 Jahre alt und stammt aus dem Bereich der Leichtathletik. Kein Schweizer Leichtathlet treibt seine Karriere seit den Jugendjahren derart kompromisslos voran wie der 22-jährige Julien Wanders. 2018 erntete er erstmals auf internationaler Stufe die Früchte der harten Arbeit.

Der schweizerisch-französische Doppelbürger hatte mit 18 Jahren gerade eben die Matura geschafft, als er aufbrach, um den Traum vom Top-Läufer zu erfüllen. Der Sohn einer Musiker-Familie reiste erstmals nach Kenia. Seither lebt und trainiert er mehrheitlich im Hochland des Läufermekkas Iten auf 2400 m über Meer. Er logiert dort in bescheidenen Verhältnissen. In der Regel bestimmen Training, Essen und Schlafen seinen Lebensrhythmus bis zum nächsten Wettkampf.

Mit Erfolg. Inzwischen liefert Wanders Zeiten ab, die weder Viktor Röthlin noch Tadesse Abraham vorweisen können oder konnten. Im Februar senkte der Jungspund in Barcelona den Schweizer Halbmarathon-Rekord auf 1:00:09 Stunden, einen Monat später überraschte er an der Halbmarathon-WM in Valencia mit dem starken 8. Rang und an den Europameisterschaften in Berlin zeigte Wanders über 5000 m (8. Rang) und 10’000 m (7. Rang) starke Rennen. Der eigentlich Coup gelang ihm aber Mitte Oktober beim City Surf Run in Durban. Beim Strassenlauf über 10 km entriss er keinem geringeren als dem vierfachen Olympiasieger Mo Farah den Europarekord, der nun bei 27:32 Minuten und in Schweizer Besitz steht.

Behindertensportler des Jahres: Théo Gmür

Skifahrer Theo Gmuer wird Behindertensportler des Jahres 2018 an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Mit drei Goldmedaillen hat Théo Gmür an den Paralympics in Pyeongchang aus Schweizer Sicht alles überstrahlt. Der Walliser wurde deshalb erstmals zum Schweizer Behindertensportler des Jahres gewählt.

Ob in der Abfahrt, im Super-G oder im Riesenslalom, an Théo Gmür gab es an den Paralympics im März kein Vorbeikommen. Der 22-Jährige aus Haute-Nendaz, der seit dem dritten Lebensjahr wegen eines Hirnödems halbseitig gelähmt ist, sicherte sich in der Kategorie «Stehend» dreimal Gold. Damit krönte der Senkrechtstarter seinen rasanten Aufstieg, der mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille im Riesenslalom im Januar 2017 begonnen hatte.

Bei der Ankunft in Südkorea habe er sich eine Medaille gewünscht, sagte Gmür, der im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des Gesamtweltcups bereits einen Coup gelandet hatte. Dann sei sein Appetit immer grösser geworden, so der Paralympics-Debütant. Mit seinen Erfolgen erlangte Gmür innerhalb kürzester Zeit nationale Berühmtheit. Unter den Gratulanten war nach dem Meisterstück in seiner Paradedisziplin Riesenslalom auch Bundesrat und Sportminister Guy Parmelin.

Als einziger Schweizer Medaillengewinner rettete Gmür auch die Ehre der 13-köpfigen Delegation von Swiss Paralympic. Als Belohnung durfte er an der Schlussfeier die Schweizer Fahne tragen.

Nominiert waren nebst Gmür auch die beiden Leichtathleten Marcel Hug und Manuela Schär, die vergangenen Sommer in Berlin im Rollstuhl überzeugen konnten.

Trainer des Jahres: Patrick Fischer

Eishockeytrainer Patrick Fischer wird Trainer des Jahres 2018 an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Seit er im Herbst 2015 den Job als Eishockey-Nationaltrainer übernommen hat, musste Patrick Fischer oftmals untendurch. In Kopenhagen gelang dem Zuger mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille der Befreiungsschlag. Nun erhielt er die Auszeichnung als Trainer des Jahres.

«Irgendwann wird die Schweiz Weltmeister.» Dieser Satz, ausgesprochen kurz nach der Übernahme des Jobs, wurde Fischer immer wieder vorgehalten. Er galt als Träumer. Die Kritiker sahen sich bestätigt, als die Schweizer 2016 an Fischers erster WM die Viertelfinals verpassten und diesen Februar an den Olympischen Spielen bereits in den Achtelfinals scheiterten.

Im Mai durfte Fischer in Kopenhagen feststellen, dass «wir einen Penalty vom WM-Titel entfernt» waren. «So weit daneben lag ich (mit der damaligen Aussage) also nicht.» Künftig wird er kein Kopfschütteln mehr ernten, wenn er vom WM-Titel spricht – im Gegenteil.

Das Turnier von Kopenhagen trug die Handschrift des Trainers. Erstmals spielte die Schweiz – begünstigt durch die Anwesenheit zahlreicher NHL-Stars – offensiv auf Augenhöhe mit den Besten mit, ohne in der Defensive an Stabilität zu verlieren. Fischers Idee des temporeichen Offensivspiels hatte noch nie zuvor eine Schweizer Mannschaft so kompromisslos umgesetzt.

Erstmals zeichnete Fischer alleine für das Powerplay verantwortlich, zuvor hatte er die Verantwortung stets mit einem seiner Assistenten geteilt. Nur Schweden und die USA wiesen an der WM die höhere Effizienz im Überzahlspiel, eine schon fast traditionelle Sorgen-Disziplin, auf.

Die grösste Gabe von Fischer sind jedoch seine Motivationskünste. Das von Fischer oftmals beschworene «Commitment», den Stolz, für die Schweiz zu spielen, haben seine Spieler verinnerlicht. Der Glaube, jeden Gegner bezwingen zu können, ist vor allem das Verdienst des Trainers.

Sportlerin des Jahres: Daniela Ryf

Triathletin Daniela Ryf, Sportlerin des Jahres 2018 an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Triathletin Daniela Ryf ist zum zweiten Mal nach 2015 Schweizer Sportlerin des Jahres – nach einer ungebrochenen Siegesserie.

Daniela Ryf beendete 2018 ungeschlagen, gewann unter anderem zwei WM- und einen EM-Titel. Bei ihrem Ironman-EM-Titelgewinn in Frankfurt realisierten gerade noch sechs Profi-Männer eine bessere Gesamtzeit als Ryf.

Am Saisonhöhepunkt auf Hawaii wurde Ryf trotz einer Quallen-Attacke zum vierten Mal Ironman-Weltmeisterin und setzte mehrere neue Messlatten. Die 31-jährige Solothurnerin verbesserte in 8:26:16 Stunden auf Big Island ihren eigenen Streckenrekord von 2016 um über 20 Minuten. Die Basis dafür bildete der imponierende Radrekord (4:26:07).

Ryf war froh, nach einem Quallenstich kurz vor dem Schwimm-Start das Rennen trotz Schmerzen in der ersten Disziplin fortgesetzt zu haben. «Dadurch wurde es noch der beste Wettkampf meiner Karriere.» Den Ritterschlag erhielt sie anschliessend von ihrer bislang einzigen Bezwingerin auf Hawaii (2014), der dreifachen Ironman-Weltmeisterin Mirinda Carfrae aus Australien: «Daniela befindet sich in einer eigenen Liga. Sie kann auf dem Rad eine Pace auf dem Level der besten Männer anschlagen und rennt den Marathon unter drei Stunden.»

Mit dem vierten Ironman-WM-Titel schloss Ryf zur vierfachen englischen Ironman-Weltmeisterin Chrissie Wellington auf, die nicht mehr aktiv ist. Einzig Rekordsiegerin Paula Newby-Fraser (8 Ironman-WM-Titel auf Hawaii) realisierte bislang vier Siege in Serie am bedeutendsten Triathlon der Welt.

Seit dem Wechsel auf die Langdistanz im Jahr 2014 hat die von Brett Sutton trainierte Ryf acht von zehn WM-Titeln über die 70.3.- sowie ganze Ironman-Distanz gewonnen. «Das hat es in diesem Sport noch nie gegeben», betont Ironman-Geschäftsführer Andrew Messick.

Sportler des Jahres: Nino Schurter

Mountainbiker Nino Schurter, Sportler des Jahres 2018 an den Credit Suisse Sports Awards fotografiert am Sonntag, 09. Dezember 2018 in Zuerich. (PPR/Manuel Lopez)

Das Lob konnte nicht grösser sein und kommt von allen möglichen Seiten, von Trainern, Teamkollegen, Konkurrenten und Journalisten: Nino Schurter ist der Roger Federer des Mountainbike-Sports, ist seit geraumer Zeit zu hören und zu lesen.

Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen dem Tennis-Maestro und dem Mountainbike-Dominator. Auf Nino Schurter ist Verlass; er prägt die Cross-Country-Szene seit bald zehn Jahren massgeblich. Zum sechsten Mal gewann der 32-jährige Bündner 2018 den Weltcup, zum vierten Mal in Folge wurde er in diesem Jahr Weltmeister. Der insgesamt siebte WM-Titel war sein schönster. Er gewann ihn in Lenzerheide, keine 30 Minuten vor seiner Haustür in Chur, vor Schweizer Publikum und Rekordkulisse.

Der Heimsieg war das nächste Meisterstück des Perfektionisten. Noch nie war der Rummel um seine Person vor einem Wettkampf derart gross wie vor der diesjährigen WM. Freunde, Bekannte, Fans, Sponsoren und Journalisten – so viele Leute wollten etwas vom Lokalmatador, der sich auf bestem Weg befindet, den zurückgetretenen Franzosen Julien Absalon als erfolgreichsten Mountainbiker abzulösen.

Der Olympiasieger von 2016 meisterte auch diese Herausforderung so, wie er es meist in seiner Karriere getan hat. Mit perfekter Planung, minutiöser Vorbereitung und feinem Gespür für das richtige Mass in allen Belangen vor dem Wettkampf. Und mit einem perfekten Rennen unter maximalem Druck. Der Italiener Gerhard Kerschbaumer, der zweitbeste am WM-Tag, konnte sein Tempo am längsten mitgehen. Schliesslich triumphierte Schurter gleichwohl solo. Besonders süss war der Erfolg auch deshalb, weil Schurter im Ziel seine Tochter Lisa in die Arme nehmen konnte.