Zwischen Potenzial und Realität: Die Schweiz verliert den ersten Test in Weissrussland

Die Schweiz verliert den ersten Test in Weissrussland

Die Schweizer Nationalmannschaft hat das erste von zwei Länderspielen auswärts gegen Weissrussland mit 31:36 (16:16) verloren. Vor 1’000 Zuschauern in Maladsetschna war die SHV-Auswahl stark gestartet, musste den Gastgeber aber in der zweiten Halbzeit ziehen lassen. Lenny Rubin (12) und Zoran Markovic (11) überzeugten mit total 23 Treffern.

Es war ein Spiel irgendwo zwischen dem erneuten Beweis des grossen Potenzials und dem Boden der Realität. Die Schweizer starteten in Maladsetschna hochkonzentriert, konsequent und effizient und führten nach einer Viertelstunde mit 10:5. Der Gastgeber wurde sichtlich auf dem falschen Fuss erwischt und fand zunächst kein Mittel gegen die Wurfgewalt von Lenny Rubin und Zoran Markovic, die einerseits wiederholt in gute Abschlusspositionen gebracht wurden, aber andererseits ihre Chancen auch überragend verwerteten. Nationaltrainer Michael Suter hatte vor dem Spiel Aktionen mit dem Attribut «Weltklasse» gefordert – Rubin und Markovic lieferten sie mehr als einmal. Bis zum Schluss notierten sie bei zwölf, beziehungsweise elf persönlichen Treffern.

Was nach dem Feuerwerk in der Startphase folgte, war dann aber die Wirklichkeit. Die Schweizer hielten zwar gut dagegen und zeigten kämpferisch eine über 60 Minuten tadellose Leistung – sie blieben aber in der aktuellen Besetzung gegen die weissrussische Physis und die Ausgeglichenheit des Heimteams ohne wirkliches Mittel. In der Abwesenheit von neun verletzten Stammspielern fehlte der SHV-Auswahl augenscheinlich die Breite im Kollektiv, um den Gegner über die gesamte Spieldauer zu fordern. Weissrussland fand nach 20 Minuten immer besser in die Partie, machte den Rückstand in kurzer Zeit wett und glich vor der Pause wieder zum 16:16 aus.

Der Unterschied zeigte sich nach dem Seitenwechsel vor allem in der Abwehr. Die SHV-Auswahl konnte dem weissrussischen Steigerungslauf defensiv nur bedingt etwas entgegenhalten. Angeführt vom starken Kreisläufer Artsem Karalek, der in der kommenden Saison zu einem europäischen Topclub wechseln dürfte und siebenmal traf, fand Weissrussland immer wieder Lösungen gegen das Schweizer Abwehrdispositiv. «Ich bin mir nicht gewohnt, dass meine Mannschaften 36 Gegentore erhalten. Da brauchen wir Mittel und Wege, um gegen solche Gegner dagegenzuhalten. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass wir uns im athletischen Bereich weiter steigern müssen», sagte er.

Die Geschichte des Spiels zwischen den beiden Mannschaften liess sich noch an einer weiteren Kennzahl festmachen: Während Rubin und Markovic bei den Schweizern mehr als zwei Drittel aller Tore beisteuerten, trugen sich beim ausgeglichenen Weissrussland 13 verschiedene Akteure in die Torschützenliste ein. Ausserdem reduzierte der Gastgeber mit fortlaufender Spieldauer seine Fehler und nutzte seine Chancen konsequent. Mit drei Toren innert 60 Sekunden erhöhte Vaidim Gaidutschenko auf 21:17 (35.). Danach konnte die Schweiz das Heimteam trotz einer über die gesamte Spieldauer ansprechenden Offensivleistung nicht mehr wirklich in Gefahr bringen.


Nationalmannschaft Männer

Weissrussland – Schweiz 36:31 (16:16)
Sportpalast, Maladsetschna – 990 Zuschauer (ausverkauft) – Sr. Butskewitsch/Butskewitsch (BLR).
Torfolge: 0:1, 1:1, 1:4, 2:4, 2:6 (9.), 5:8, 5:10 (14.), 6:11, 8:11, 8:12, 9:13 (20.), 12:13, 12:14, 13:15, 15:15, 15:16, 16:16; 17:16, 17:17, 21:17 (35.), 25:21, 25:23, 27:23, 28:24, 28:25, 30:25, 30:26, 32:26, 33:27, 33:29, 35:29, 35:31, 36:31.
Strafen: Je 2mal 2 Minuten.
Weissrussland: Matskewitsch/Maroz (ab 16.); Browka (2/2), Babitschew (1), Tsitsow, Karalek (7), Schinkel (1), Schilowitsch (4), Kulesch (1), Puchowski (3/2), Jurinok (1), Dzianis Rutenka (1), Wailupow (4), Karvatski (3), Padschiwalow (2), Gaidutschenko (6).
Schweiz: Portner/Kindle (17. bis 36.)/Wick (36. bis 49.); Rubin (12), Alili, Delhees, Röthlisberger (1), Küttel (2), Markovic (11), Huwyler, Kusio, Suter (1), Geisser (1), Gerbl (2), Blättler (1).
Bemerkungen: Schweiz ohne Dähler, Maros, Sidorowicz, Tynowski, Lier, Vernier, Von Deschwanden Meister, Raemy (alle verletzt) und Schmid (dispensiert). Maroz hält Penalty von Suter (23./11:13). Puchowski schiesst Penalty an die Latte. (43./25:22). Time-outs: Weissrussland (-), Schweiz (25./12:13, 51./31:26). Länderspiel-Debüts von Nicolas Suter und Adrian Blättler.